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„Siehe, ich mache alles neu“, spricht der Herr.
Was für eine wunderbare Zusage – und was für eine Entlastung. Nicht wir als Menschen machen alles neu. Nicht durch Leistung, nicht durch Optimierung, nicht durch ständiges Funktionieren. Gott selbst ist es, der neu macht.
Doch diese Zusage verschweigt nicht, dass Neues Raum braucht. Bevor etwas Neues entstehen kann, muss Altes weichen.
Wenn wir auf unsere Welt blicken, sehen wir genau das: Alte Strukturen brechen auf. Sicherheiten verlieren ihre Tragkraft. Unser jahrzehntelanger Drang nach immer schneller, höher, weiter läuft spürbar an seine Grenzen. Vieles gerät ins Wanken – gesellschaftlich wie persönlich.
Vielleicht erleben wir gerade keinen reinen Niedergang. Vielleicht erleben wir einen notwendigen Abriss.
Denn vielleicht müssen wir zuerst brechen, damit uns klar wird, dass wir es aus eigener Kraft nicht schaffen. Dass wir nicht alles kontrollieren, tragen oder lösen können. Der Bruch ist nicht das Ende – er kann ein Anfang sein. Nicht weil Zerbruch gut wäre, sondern weil er ehrlich macht.
Diese Zeit fordert uns als Menschen stark heraus. Depressionen und andere psychische Erkrankungen nehmen zu. Gleichzeitig wächst das Risiko für Suchterkrankungen. Suchtmittel werden für viele zu einem kurzfristigen Ausweg aus innerer Überforderung – nicht mehr fühlen zu müssen, nicht mehr aushalten zu müssen.
Genau hier hinein spricht Gottes Zusage: Ich mache alles neu.
Nicht, indem er Leid übergeht. Nicht, indem er Brüche zudeckt. Sondern indem er mitten im Zerbruch gegenwärtig ist.
Neues Leben entsteht nicht aus Perfektion, sondern aus Wahrheit. Nicht aus Stärke, sondern aus Vertrauen. Nicht aus Kontrolle, sondern aus Loslassen.
Mit dieser Hoffnung gehen wir weiter – nicht perfekt, aber echt – und im Vertrauen darauf, dass Gott neu macht, was zerbrochen ist.
Text: Sven Kreklau, Bild: Canva |